Von gutem und von schlechtem Sex. Mit Ehemännern und anderen.

von splitterfasern

Den besten Sex meines Lebens hatte ich mit einem One-Night-Stand, und ich war etwa 25 Jahre alt. Ich betrog meinen damaligen Freund mit ihm, aus einer Laune heraus, denn aus einem Grund, der mir lange entfallen ist, war ich ohne den Freund, den ich liebte, ausgegangen. Und in der Disco sah ich Peter, der sonst nie dort war – es war meine Stammdisco. Wie sich herausstellen sollte, war Peters feste Lebenspartnerin verreist, aber das erfuhr ich erst, als ich im Morgengrauen in seiner Wohnung, fragte, wem denn die vielen Haarbänder und Damensachen in seinem Bad gehörten.

Damals spielte ich gerne „Männer jagen“, das Flirten war ein Sport, und Skrupel hatte ich keine. Als in der Disco die Musik aus und das Licht an ging, fragte Peter mich, ob ich noch mit zu ihm kommen wolle. Das lief sehr unkompliziert, es waren die 90er, wir einigten uns rasch auf ein Kondom, und ich weiß noch genau, was für ein begeisterter Seufzer Peter über die Lippen kam, als er mich nackt sah, er sagte, „Ich war fast sicher, dass du so tolle Brüste hast!“, und dann fielen wir übereinander her, stundenlang. Als der Morgen kam, schlich ich mich aus seiner Wohnung. Ich schlief nicht in jener Nacht, das war nicht so selten zu jener Zeit, in der ich den Sonnenaufgang eigentlich nur sah, wenn ich durchgemacht hatte, nie, weil ich früh aufgestanden war.

Der Sex war so dermaßen gut, dass nie wieder etwas auch nur in die Nähe kam. Ich hatte viel Sex mit vielen Leuten, insgesamt vielleicht 30 waren es, und auch oft guten Sex. Den gab es auch in langjährigen Beziehungen oder solchen, die Monate überdauerten. Es ist nicht so, dass es mir an Gelegenheiten und Orgasmen fehlte. Aber Sex völlig losgelöst von einer Beziehung zu haben, war etwas ganz Neues. Und wenn ich heute überlege, warum ich den Sex mit dem eigenen Mann immer nur mittelmäßig fand (und auch oft schlecht, aber das ist ein anderes Thema und hat mit Übersättigung, Pflichten und falsch verstandener Liebe zu tun), dann sehe ich, dass das Jagen eine entscheidende Rolle spielt.

Ich mag nicht nur gejagt oder angehimmelt werden. Und bei dem Mann, den ich geheiratet habe, war recht schnell klar, dass er mich anbetet und alles für mich tun würde. Dass der Sex mit ihm immer nur mittelmäßig war, habe ich ihm nie gesagt, warum auch, es war für mich nicht so wichtig. Aber dass auch ich jagen will, auf Augenhöhe oder im Rollenwechsel, und nicht nur erobert werden möchte, ist Teil meiner Lust, das habe ich kapiert.

Frauen die jagen, sind Schlampen? Oder sind sie emanzipiert? Es ist egal, denn so funktioniert meine Lust. Ich will aussuchen und dann langsam die wachsende Macht über den fremden Menschen spüren. Eine Macht, die sich am „Gemächt“ zeigt, an der ausbeulenden Hose, die ich als persönlichen Triumph empfinde.

Ein Mal habe ich einen Freund meines Vaters, der uns aus Übersee besuchte, auf einem Dorffest so dezent und aber für den Empfänger meiner Botschaft so eindeutig angebaggert, dass der auf dem Heimweg zum Auto einen Umweg mit mir suchte und mich fest an ein Auto drängte mit seiner ausbeulenden Hose. Ich fand das geil. Niemand merkte etwas davon. Aber ich trage die Erinnerung daran in mir, und mir wird heute noch ganz warm im Unterleib, wenn ich daran denke.

Guter Sex, das ist der Sex, den ich haben will, mit dem Menschen, den ich gerade begehre. Ohne eheliche Pflichten, ohne Moralvorstellungen, ohne Gedanken an die Zukunft. Oder vielleicht doch – je verbotener, desto besser. Und um Himmels Willen nicht geplant oder eingefordert. Womit wir wieder bei meinem Mann wären. Der forderte und forderte, jammerte und klagte. Wie sollte ich da noch Lust auf ihn haben? Mit dem eigenen Ehemann den schlechtesten Sex von allen zu haben, das ist ernüchternd. Aber ich glaube, da war ich nicht die Einzige. Es ist an der Tagesordnung. Spricht nur keiner drüber. Oder?

Milf